back

Die Stimme vom 02.07.2011

 

Folk-Weltstars im Bonfelder Schlosshof

Von Ulrike Plapp-Schirmer

Zwei Musik-Highlights wurden am Freitagabend beim Folk-Festival im Bonfelder Schlosshof geboten. Weltstar Carlos Nunez und die Gruppe Cara heizten dem Publikum bei irischen Wetterverhältnissen kräftig ein. Das Team von Stimme-TV war dabei und hat Impressionen eingefangen.

Bad Rapenau - Das Wetter ist am Freitag very irish. "So haben wir es bestellt", sagt Franz Koroknay, Mitglied des Organisationsteams von Folk im Schlosshof, lässig. Zum elften Mal ist er der Kopf dieses außergewöhnlichen Musikfestivals. Und das läuft von Anbeginn an wie am Schnürchen.


Familie

Zwei Highlights erwartet er für den Abend: den Weltstar Carlos Nunez und die Gruppe Cara, eine deutsche Band, die erst kürzlich in Irland mit einem Award ausgezeichnet wurde: "Da gehört schon einiges dazu", meint Koroknay, den alle hier Franz nennen. Wie auch sonst. Man spricht sich mit Vornamen an.

Echte Folkfans verstehen sich als Teil einer großen Familie, die vor allem eines verbindet: die Liebe zu handgemachter Musik. Und die geht sofort in die Beine. Fast schon Konzertqualität hat gegen 15 Uhr der Soundcheck der schottischen Gruppe Treacherous Orchestra. Kein Wunder: Die Musiker müssen sich um nichts anderes kümmern als um ihre Musik. Eamonn Coyne, einer von zwei Iren in der Band, bringt es auf den Punkt: "Die Leute hier kümmern sich um die Musiker. Das ist echte Gastfreundschaft", sagt er begeistert. Hier wisse jeder, was er zu tun habe. Und das sei nicht selbstverständlich.

"Es ist ein gutes Gefühl hier zu sein", fügt Eamonn an. Und zwar aus einem zweiten Grund. Treacherous Orchestra ist eine neue Formation mit sechzehn Musikern und zum ersten Mal im Ausland. Es sei sehr mutig von dem Bonfelder Team, sie zu buchen, betont Eamonn. Und schließlich sei es eine große Ehre am selben Abend auf derselben Bühne zu stehen wie Carlos Nunez, der große Piper.

Lebensstil

Der schaut derweil interessiert beim Soundcheck der regionalen Gruppe Goodfield vorbei. Nein, wie ein Weltstar fühle er sich nicht. Ihm gehe es, wie den anderen auch, nur um die Musik: "Die ist gemacht, um sie zu genießen." Ein Festival wie das in Bonfeld sei im Rock'n'Roll undenkbar. Für Nunez ist keltische Musik keine Massenware, sondern ein Lebensstil.

Verstehen sich als Freunde (von links): der spanische Weltstar Carlos Nunez, Organisator Jürgen Puscher und Bandbetreuer Jürgen Erlewein.

Fotos: Plapp-Schirmer
 

Und zu diesem Lebensstil gehört auch der Lachs, den Oskar Stang geordert hat, und den Peter Schneider über glühenden Kohlen nun butterzart zubereitet. Beide sind von Anfang an dabei: "Inzwischen kann man"s", meint Schneider lässig.

Während die Musiker im VIP-Bereich verwöhnt werden, sorgen unter Stangs Regie 90 Personen im Zwei-Schichtbetrieb dafür, dass die Besucher ebenfalls Gutes zu essen bekommen. Im Gegensatz zu Franz Koroknay schaut der leidenschaftliche Hobbykoch Stang ein bisschen besorgt Richtung Himmel. "Ein Schauer zwischendurch ist zu verkraften", sagt er. "Aber Regen wäre schlecht." Lachs und Ochsenbraten wolle man schließlich im Sitzen genießen. Wenn"s regne, müsse das Team den ganzen Lachs allein essen. Und das wäre schlecht: Oskar Stang hat allein für den Freitag 300 Kilogramm davon geordert.